Publikum favorisiert schwarzes Kabarett

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10.09.2007 Vohenstrauß

 

Gabriele Zink erhält Preis der 2. Vohenstraußer Kabarett-Tage – Zwei hochklassige Abende

 

"Sind wir froh, dass wir nicht wählen müssen", betonten die Veranstalterinnen, die "Schrägschrauben" Monika Helmstreit und Regina Diegel, am Samstag immer wieder. Denn das Publikum der 2. Vohenstraußer Kabarett-Tage in Schloss Friedrichsburg hatte nach zwei hochklassigen Kabarett-Abenden die Qual der Wahl zwischen der Survival-Comedy von Andrea Witschi, dem literarischen Kabarett von Sarah Hakenberg, dem Musikulk von Stefanie Seeländer und Uli Schmid sowie harscher Gesellschaftskritik von Gabriele Zink.

 

Allererstes Soloprogramm

Die 150 von allen Darbietungen begeisterten Zuschauer des Samstagabends gaben dem politischen schwarzen Kabarett mit "Ich? - Ah, geh!" den Vorzug. Nun nimmt die über ihren ersten Preis hocherfreute Gabriele Zink für ihr allererstes Soloprogramm die Trophäe und 1000 Euro mit nach Freiburg. Am Freitagabend hatten sich in zwei Schlossräumen je 50 Zuschauer erste Eindrücke der aus 60 Bewerbern von den Gastgeberinnen, den "Schrägschrauben", ausgesuchten Finalisten gemacht. Am zweiten Abend ging es in ausgeloster Reihenfolge nach einem grandiosen Warm-up durch die "Schrägschrauben" auf Pezzibällen "um die Wurst".

 

In "Aut von Helvetien" sorgte die Schweizer Comedy-Ulknudel Andrea Witschi mit Körperbeherrschung und Klimbim für bunten Trubel als "Testreisende" in Ägypten. Herren aus der ersten Reihe wurden immer wieder zu ihren geduldigen Opfern und mussten nicht nur den Putzfimmel mit der Fusselrolle über sich ergehen lassen.

 

Mit ihren Manuskriptblättern in der Hand amüsierte die literarische Kabarettistin Sarah Hakenberg ihre Zuschauer genauso intensiv. Die zierliche Berlinerin erntete herzhafte Lacher für ihre Kurzgeschichten über ihre ("bis jetzt") 206 verflossenen Geliebten unter dem Titel "Knut, Heinz, Schorsch und die anderen …". Mit niedlichem Auftreten machte die unerschrockene Hakenberg auch nicht vor den Dingen halt, "über die man niemals spricht". Als kapriziöse Bühnendiva in türkisfarbenem Topflappenkleid führte sich Stefanie Seeländer (mit Babybäuchlein) auf, am Keyboard vom stoisch gelassenen Ulrich Schmid begleitet. Das Duo aus Hannover stand für seichte Unterhaltung, setzte sein Highlight mit der mobilen Showtreppe und zwei Herren aus dem Publikum, die das Corps de ballet zu ersetzen hatten.

 

Für tiefen Eindruck sorgte die arbeitslose Schauspielerin Verena Schenk, dargestellt von der extrem bühnenpräsenten und herb-femininen Gabriele Zink in ihrem Programm "Ich? - Ah, geh!" (Text: Volkmar Staub, Regie Christian Bronder). Die 44-jährige, erfahrene Profi-Schauspielerin bot als "Rollenfachverkäuferin" dem Publikum nach kurzer Persönlichkeitsanalyse 1-Euro-Jobs an und erklärte sich "als Frau hinter Angela Merkel" für den Aufschwung verantwortlich.

 

"Wie wird man Päpstin?"

Sie verwandelte sich per Kopftuch in die türkische "Aische" ("wolle nur putze-putze") und analysierte den maroden Betrieb in den Arbeitsagenturen: Nicht nur Zinks Doppelrolle bei der Deklamation deutscher Klassiker vor einer begriffsstutzigen sächsischen Angestellten ("No, speelen Se doch mol was vor!") war hier preisverdächtig. Auf Zinks Antwort auf die Frage "Wie wird man Päpstin?" darf man gespannt sein.

 

Anastasia Poscharsky-Ziegler